Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Abtrennung Südtirols von Tirol hatte sich einiges verändert. Gleich nach Kriegsende ging man daran, das Feuerwehrwesen in Südtirol zu reorganisieren und wiederaufzubauen.
Man wollte die Feuerwehrorganisation rasch wieder normalisieren und rief bald schon
dazu auf, dem Verein beizutreten (z.B. in Meran im April 1919). Die politische Abtrennung Südtirols von Tirol bedeutete auch die Trennung der Feuerwehrbezirke vom Landesverband in Innsbruck. Im Juni 1 921 schlossen sich in Bozen die Bezirksverbände zum Hauptverband der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols zusammen. Damit konnten die Organisation und die Beschaffung von technischen Hilfsmitteln leichter und schneller erfolgen. Ab 1919 erfolgten auch wieder die Bezirksfeuerwehrtage und auch dort ging man an die Arbeit, um das Feuerlöschwesen im Bezirk effizient zu gestalten. Auf dem Bezirksfeuerwehrtag im Jahr 1921 einigten sich die Delegierten der verschiedenen Feuerwehren auf einen Einsatzplan bei Hilfeleistungen in den Nachbargemeinden. Durch das Vermeiden von unnötigen und unkoordinierten Ausrückungen konnten Kosten gespart werden. Dieser Einsatzplan sah vor, dass die Freiwillige Feuerwehr Völlan zu Hilfeleistungen in Naraun, Prissian und Tisens verpflichtet war und umgekehrt. Die Freiwillige Feuerwehr von Lana war zu Hilfseinsätzen in Völlan verpflichtet worden. Auf dem Bezirksfeuerwehrtag im Jahr 1 923 wurde dieser Plan bestätigt. Zudem hielt man fest, dass die Hilfeleistung nach diesem Einsatzplan unaufgefordert bei größeren sichtbaren Bränden zu erfolgen hatte.24
Im Jahr 1 923 erwarb die Freiwillige Feuerwehr Völlan von Oswald Santer (Lenker) das Servitutsrecht bei der „Lenkerhütte“ in Völlan, um dort die Gerätschaften unterzubringen. Aus dem Rechnungsbuch der Feuerwehr geht hervor, dass an der „Lenkerhütte“ Umbauarbeiten getätigt wurden und sich ab diesen Zeitpunkt dort die zweite Spritzenhalle der Feuerwehr befand.25
Die Machtergreifung der Faschisten in Italien mit dem „Marsch auf Rom“ am 28. Oktober 1922, brachte ein totalitäres Regime an die Macht. Nachdem Südtirol mit dem Friedensvertrag von St. Germain 1919 an Italien gefallen war und 1920 offiziell annektiert worden war, hatte man noch versucht eine Autonomie für Südtirol zu erreichen. Nachdem die Faschisten die Macht an sich gerissen hatten, begannen diese jedoch schrittweise den Staat in ein totalitäres und repressives System umzuwandeln. Zu den Italianisierungsmaßnahmen im Land gehörte ab 1923 auch die schrittweise Auflösung des Vereinswesens. Ein erster Schritt
war die Auflösung des Alpenvereines im Jahr 1923 und am 9. Juni 1925 erfolgte schließlich mittels Dekret die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehren. Ihre Aufgaben wurden den Gemeinden bzw. Provinzen übertragen, welche dafür örtlich Berufsfeuerwehren beauftragten. Diese Verordnung galt zwar für ganz Italien, traf aber die ehemaligen österreichischen Gebiete (Südtirol, Trentino, Istrien/Friaul) am stärksten, da hier das Vereinswesen am ausgeprägtesten war.26
Die Mitgliederzahl der Ortsfeuerwehren war gesetzlich vorgeschrieben und reichte von maximal sieben in den kleinen und bis zu fünfzehn Mann in größeren Gemeinden. Diese Zahl war jedoch viel zu gering, um im Notfall effizient und rasch Hilfe leisten zu können und somit konnte dieses Feuerwehrsystem
nicht funktionieren. Bald gingen einige Podestà deshalb von diesem System ab und ließen wieder Feuerwehren zu, welche der Gemeinde unterstanden und nicht frei waren. Dennoch führte meist der ehemalige Kommandant die Feuerwehr mit denselben Mitgliedern. Ab den dreißiger Jahren war vorgeschrieben, dass der Kommandant der Feuerwehr Reserveoffizier des italienischen Heeres sein musste, dann nahm der Podestà die Hauptmannstelle ein, während der ehemalige Kommandant als „Vize“ inoffiziell weiterhin die eigentliche Führung innehatte.27
In dieser schwierigen Zeit musste sich auch die Feuerwehr Völlan
an die vorgeschriebenen Maßnahmen halten. Der Völlaner Wehr standen in diesen bewegten Jahrzehnten drei verschiedene Hauptleute vor. Erster Kommandant war Peter Ohrwalder und Vizekommandant Peter Unterholzner. Ihnen folgten bis 1939 abwechselnd Andreas Lochmann (Meixner) und Jakob Kofler als Kommandanten. Die genauen Jahresangaben ihrer Tätigkeiten sind nicht überliefert. In den Jahren von 1939 bis 1945 war Andreas Lochmann wiederum als Kommandant tätig. Für die Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (Mai 1945) gibt es nur drei gesicherte Angaben über Brandeinsätze der Freiwilligen Feuerwehr Völlan. Am 15. März 1926 kam es zu einem großen Brand beim „Häuslerhof“, dem das Wohnhaus und der angrenzende Stadel zum Opfer fielen. Die Schadenssumme wurde auf rund 30.000 Lire beziffert. Dank des raschen Eingreifens der Feuerwehr konnte ein Ausbreiten der Flammen auf den nahen Wald verhindert werden.28
Ein zweiter Brand ereignete sich im Jahr 1935, als beim „Mair am Turm-Hof“ ein Feuer ausbrach. Über das Ausmaß der Schäden ist leider nichts überliefert. Im Jahr 1937 kam es zu einem Waldbrand im „Steinerberg“ und auch von diesem Einsatz sind keine näheren > Details bekannt.29